{"id":94,"date":"2015-07-04T14:17:12","date_gmt":"2015-07-04T14:17:12","guid":{"rendered":"http:\/\/sylke-rene-meyer.com\/?page_id=94"},"modified":"2015-07-05T07:22:51","modified_gmt":"2015-07-05T07:22:51","slug":"english-who-is-anna-walentynowicz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/sylke-rene-meyer.com\/?page_id=94","title":{"rendered":"Wer ist Anna Walentynowicz?"},"content":{"rendered":"Year: 2001<\/p>\n<p>Format: Video<\/p>\n<p>Duration: 58:30 min<\/p>\n<div class=\"jetpack-video-wrapper\">\n<div class=\"ttfmake-embed-wrapper aligncenter\" style=\"max-width: 960px;\"><iframe src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/50856191\" width=\"480\" height=\"360\" frameborder=\"0\" title=\"Who is Anna Walentynowicz?\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<p>Am 9.11.1989 f\u00e4llt in Berlin die Mauer. Es ist das Ende vom Ende des Ostblocks. Doch angefangen hat alles viel fr\u00fcher \u2013 n\u00e4mlich 1929 mit einer Geburt in Litauen, 1963 mit einer Hochzeit, 1971 mit einer Beerdigung und schlie\u00dflich 1980 mit einem Streik. Es ist der 14.8.1980, als auf der Danziger Leninwerft die Arbeiter die Arbeit niederlegen. Sie fordern die Wiedereinstellung ihrer Kollegin, der Arbeiterf\u00fchrerin Anna Walentynowicz.<\/p>\n<p>1980 titelte der SPIEGEL zweimal mit den Ereignissen in Polen. Lange Reportagen, Fotos von den F\u00fchrern &#8211; alle ordentlich beschriftet: Wal\u00easa spricht mit Werftdirektor Gniech etc. Ein Foto fiel mir auf, eine Frau (n\u00e4mlich Anna Walentynowicz), die zu einer Menschenmenge auf der Werft spricht. Es war untertitelt mit \u201cArbeiterin antwortet Werkdirektor Gniech\u201d. Ihr Name taucht im \u201cSpiegel\u201d nirgendwo auf. Ich begann zu recherchieren und erfuhr so von Anna Walentynowicz, der wahren Gr\u00fcnderin der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc.<\/p>\n<p>Anna Walentynowicz wird 1929 als Anna Lubczyk in Polen an der litauischen Grenze geboren. \u00dcber ihre Kindheit spricht sie nicht viel. Ihre Eltern sterben fr\u00fch, sie w\u00e4chst als Waise auf, \u201cdie Litauer und die Ukrainer haben viel gemordet\u201d.\u00a0 1945 kommt Anna nach Gda\u00f1sk. Die Strassen, der Bahnhof, die Gesch\u00e4fte sind deutsch beschriftet. Anna, die Analphabetin ist, f\u00fchlt sich zum ersten mal nicht benachteiligt: denn niemand unter den polnischen Fl\u00fcchtlingen kann die fremde Schrift lesen.<\/p>\n<p>Anna findet Arbeit auf der jungen Werft. Die Kommunisten behandeln sie wie einen Menschen, sie lernt lesen und schreiben. Anna wird die Vorzeigearbeiterin der Danziger Leninwerft, \u201cHeldin der Arbeit\u201d, Delegierte der Werft zu den Arbeiterbestentreffen in Warschau. Sie liebt ihre Arbeit und die Werft ist f\u00fcr sie, die seit ihrem 7. Lebensjahr Vollwaise ist, zur Ersatzfamilie geworden. Sie lebt mit ihrem Sohn Janusz in einem heruntergekommenen Arbeiterwohnheim. Doch Anna ist voller Elan und Lebenslust.<\/p>\n<p>Alles \u00e4ndert sich, als sie erf\u00e4hrt, da\u00df sie Krebs hat. Nur noch f\u00fcnf Lebensjahre geben ihr die \u00c4rzte. Anna, die ihren Sohn nicht allein zur\u00fccklassen will, nimmt deshalb den Heiratsantrag des Trompeters und Werftschlossers Kasimir Walentynowicz an, obwohl sie ihn nicht liebt. Doch \u201cdiese Ehe der Vernunft, wandelt sich in eine gro\u00dfe Liebe\u201d. Anna erlebt die gl\u00fccklichste Zeit ihres Lebens. F\u00fcnf Lebensjahre.<br \/>\n1971 l\u00e4uft die F\u00fcnfjahresfrist ab und ein Mensch mu\u00df gehen.<\/p>\n<p>Doch es ist nicht sie, sondern Kasimir, der v\u00f6llig \u00fcberraschend stirbt. An Krebs. Bei Anna k\u00f6nnen die \u00c4rzte dagegen keine Tumore mehr entdecken. Der Tod Kasimirs trifft Anna Walentynowicz schwer. Sie ist jetzt 42 Jahre alt und verliert die Liebe ihres Lebens. Die Frage, warum Gott sie hat leben lassen und statt ihrer den Ehemann zu sich nahm, l\u00e4\u00dft sie nicht mehr los. Als sie bei Kasimirs Totenmesse in der Kirche die Figur wiederentdeckt, die ihr als Kind in Litauen im Traum erschienen ist, ein Apostel, der eindringlich zu ihr sprach, ohne, da\u00df sie ihn verstehen konnte, hat sie ihre Antwort gefunden.\u00a0 \u201cGott hat Absichten mit mir.\u201d<\/p>\n<p>Anna beginnt ihre Arbeit: sie hilft Kranken und Familien in Not, sie setzt sich auf der Werft f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen und unabh\u00e4ngige Gewerkschaften ein. Schon ein Jahr nach Kasimirs Tod ist Anna zu einer bekannten Arbeiterf\u00fchrerin geworden. Im st\u00e4ndigen Konflikt mit dem Staat. Immer wieder verhaftet, \u00fcberwacht, unter Druck gesetzt.<\/p>\n<p>Am 14.8.1980 wird Anna, deren Gesicht einst von den Propagandaplakaten der Werft lachte, unter einem Vorwand fristlos gek\u00fcndigt. Die unbequeme Politikerin soll endg\u00fcltig mundtot gemacht werden. Spontan legen ihre Kollegen die Arbeit nieder. Schlie\u00dflich l\u00f6st ihre Entlassung eine landesweite Protestwelle aus und Anna Walentynowicz gr\u00fcndet mit den streikenden Werften die erste freie Gewerkschaft des Ostblocks: Solidarnosc. Den Vorsitz der neuen Gewerkschaft \u00fcbernimmt allerdings nicht sie, sondern ein Mann, der ehemalige Werftelektriker Lech Wal\u00easa \u2013 mit Annas Unterst\u00fctzung: \u201cLeute! Wenn dieser Streik von einer Frau geleitet wird, dann wird die Bedeutung der Sache niedriger sein und es wird nicht leicht sein, wenn n\u00f6tig, einen zweiten Streik zu f\u00fchren. Ich h\u00e4tte ja nie gedacht, da\u00df Wal\u00easa so ein Schwein ist.\u201d<\/p>\n<p>Doch die Freude \u00fcber die neue Freiheit w\u00e4hrt nur kurz. Die Sowjetarmee und die deutsche NVA halten an der polnischen demonstrativ Man\u00f6ver ab. Ein zweiter Prager Fr\u00fchling droht und mit der NVA stehen wieder deutsche Panzer vor dem Einmarsch nach Polen. Das Land reagiert.<br \/>\nIn Polen wird das Kriegsrecht ausgerufen. Solidarnosc wird verboten, Anna verhaftet. W\u00e4hrend sie die n\u00e4chsten Jahre unter schrecklichen Bedingungen und unter Lebensgefahr im Gef\u00e4ngnis verbringt, erf\u00e4hrt sie, da\u00df Wal\u00easa mit den neuen Machthabern kooperiert und sogar zum Oberst bef\u00f6rdert wurde.<\/p>\n<p>1983 wird Anna Walentynowicz aus der Haft entlassen und eine Woche sp\u00e4ter, am 5.Oktober 1983, erh\u00e4lt Lech Wal\u00easa den Friedensnobelpreis.<\/p>\n<p>Am 10. April 2010 geh\u00f6rte Walentynowicz zu einer polnischen Delegation um Staatspr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lech_Kaczy%C5%84ski\">Lech Kaczy\u0144ski<\/a>, die anl\u00e4sslich des siebzigsten Jahrestages des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Massaker_von_Katyn\">Massakers von Katyn<\/a> zur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Soldatenfriedhof_Katyn\">Gedenkst\u00e4tte<\/a> nach Russland reisen sollte. Bei einem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Flugzeugabsturz_bei_Smolensk\">Flugzeugabsturz der Delegation<\/a> nahe dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Milit%C3%A4rflugplatz_Smolensk-Nord\">Milit\u00e4rflugplatz Smolensk-Nord<\/a> kam sie jedoch gemeinsam mit weiteren hochrangigen Repr\u00e4sentanten Polens ums Leben.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Year: 2001 Format: Video Duration: 58:30 min Am 9.11.1989 f\u00e4llt in Berlin die Mauer. Es ist das Ende vom Ende des Ostblocks. 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