{"id":112,"date":"2015-07-05T07:42:35","date_gmt":"2015-07-05T07:42:35","guid":{"rendered":"http:\/\/sylke-rene-meyer.com\/?page_id=112"},"modified":"2015-07-05T07:43:36","modified_gmt":"2015-07-05T07:43:36","slug":"%d0%bc%d0%be%d0%ba%d1%80%d0%be%d0%b5-%d0%b4%d0%b5%d0%bb%d0%be-nasse-sachen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/sylke-rene-meyer.com\/?page_id=112","title":{"rendered":"\u043c\u043e\u043a\u0440\u043e\u0435 \u0434\u0435\u043b\u043e (Nasse Sachen)"},"content":{"rendered":"&#8221;Nasse Sachen\u201c (\u043c\u043e\u043a\u0440\u043e\u0435 \u0434\u0435\u043b\u043e) ist ein Euphemismus f\u00fcr einen Auftragsmord. Die russische Ausdruck kann seit dem 19. Jahrhundert im russischen kriminellen Jargon (Fenja, muzyka) nachgewiesen werden und bedeutete urspr\u00fcnglich Raub oder Mord,d.h. jede Art von Blutvergie\u00dfen. Ber\u00fchmt wurde die Formulierung vor allem durch das KGB, dem Spetsbureau13, das \u201eAbteilung f\u00fcr nasseAngelegenheiten&#8221; (Otdel mokrykhdel) genannt wurde.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Ich kenne Kathleen seit meiner Schulzeit. Vor etwa einem Jahr trafen wir uns wieder. Sie war arbeitslos. Seit der Wende ist sie praktisch ohne feste Stelle. Gro\u00dfgeworden in der DDR, alleinerziehende Mutter. Ihr Sohn Bruno ist jetzt 3 Jahre alt. Unz\u00e4hlige ABMs, aber keine Hoffnung. Dann fiel ihr ein Buch in die H\u00e4nde, das ihr Leben ver\u00e4nderte \u2013 \u201eHitman\u201c von Rex Feral, einem amerikanischen Profikiller, der ein Handbuch f\u00fcr Kollegen und Berufseinsteiger geschrieben hat \u2013 zu bestellen bei Amazon.com.<\/p>\n<p>Jetzt hat sie eine radikale Entscheidung getroffen. Kathleen hat sich entschlossen, Profikillerin zu werden. Nat\u00fcrlich kennt sie die Vorbehalte, aber sie hat sich dar\u00fcber Gedanken gemacht. \u201eProfikiller\u201c, sagt sie, \u201edas ist das \u00e4lteste Gewerbe der Welt \u2013 noch vor der Prostitution.\u201c Jede Zeit, jede Gesellschaft kennt den gedungenen M\u00f6rder. Die Vermutung liegt nahe, da\u00df die Gesellschaft ihn braucht. Und die sogenannte Moral der Gesellschaft entpuppt sich bei n\u00e4herem Hinsehen als reine Gehirnw\u00e4sche. T\u00f6ten darf der F\u00fcrst, der Ritter, der Herr, der Staat. Nicht aber der Bauer, der Tagel\u00f6hner, der Steuerzahler. Denn die Macht haben hei\u00dft, \u00fcber Leben und Tod entscheiden zu k\u00f6nnen. Der Profikiller stellt diesen Machtanspruch in Frage. W\u00e4hrend die Gesellschaft den Soldaten \u2013 gerade denjenigen, der m\u00f6glichst viele umgebracht hat- als Helden verehrt und ihm Denkm\u00e4ler errichtet, wird der M\u00f6rder hingerichtet. Dabei mordet der Staat aus denselben Motiven: Geld, Bodensch\u00e4tze, Territorialanspr\u00fcche, M\u00e4rkte etc. \u201eEs ist eben eine Tatsache, da\u00df der Mensch t\u00f6tet, um zu leben. Er t\u00f6tet Pflanzen, er t\u00f6tet Tiere und er t\u00f6tet seine Mitmenschen\u201c \u2013 sagt Kathleen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mit diesem Film Kathleens Berufseinstieg begleiten, sie zeigen, wenn sie in der K\u00fcche steht und Suppe kocht, Bruno f\u00fcttert. Und in derselben K\u00fcche an ihrem ersten Schalld\u00e4mpfer rumpfeilt, erst scheitert und es dann schafft. Das Trainieren von Kampftechniken, Zeitunglesen \u2013 Kundenaquise. Welche Personen, Anw\u00e4lte, Unternehmen, Erben, berufliche Konkurrenten k\u00f6nnten an ihrem Service Interesse haben? Wo wird gerde entlassen, gepf\u00e4ndet, geklagt? Kathleen telefoniert, bietet sich als Dienstleister f\u00fcr Probleml\u00f6sungen an. Details gerne bei einem pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Sie geht auf die Flohm\u00e4rkte, versucht von den Ukrainern eine scharfe Waffe zu kaufen. Schiessen ist kein Problem. Schlie\u00dflich hatte sie in der DDR Wehrerziehung. Am Nachmittag sitzt sie mit den anderen M\u00fcttern am Buddelkasten und spielt mit den Kindern. Alltag und \u00dcberlebenskampf. Kathleen ist eine sympathische, witzige Person und tolle Mutter.<\/p>\n<p>Warten, mitfiebern. Und dann kommt er endlich: der erste Auftrag. Das Objekt beobachten, eine Akte anlegen, einen Arbeitsplan. Dann Ausf\u00fchren. Dann Spuren beseitigen. Sauber. Einen Schnaps trinken. Und dann kassieren und mit Bruno einkaufen. Neue Schuhe, ein \u00dcberraschungsei, die Miete \u00fcberweisen.<\/p>\n<p>Der Film ist fiktional und dokumentarisch zugleich. Ein Film mit realen Personen und realen Orten, aber auch mit inszenierten Szenen und nat\u00fcrlich einer erfundenen Hauptfigur. Ein faked documentary in Deutschland 2004.<\/p>\n<p>Ein Drehbuch gibt es nicht. Der Film folgt seiner Hauptfigur, Szenen werden improvisiert und entstehen in der Arbeit mit den Schauspielern.<\/p>\n<div class=\"jetpack-video-wrapper\">\n<div class=\"ttfmake-embed-wrapper aligncenter\" style=\"max-width: 960px;\"><iframe src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/50847011\" width=\"540\" height=\"360\" frameborder=\"0\" title=\"Contract Hit \/ NASSE SACHEN EN SUBS 50(1)\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<p>Taz:<\/p>\n<p>Ein Thriller anderer Art ist Sylke Rene Meyers Pseudodokumentation &#8220;Nasse Sachen&#8221; (D 2004). Die Autorin begleitet die allein erziehenden Mutter Kathleen (Kathleen Gallego Zapata), die sich, nachdem ihr die staatliche Unterst\u00fctzung gestrichen wurde, mit Hilfe eines aus dem Internet bezogenen Lehrbuchs zur Auftragsm\u00f6rderin weiterbildet, Kunden akquiriert und ihren ersten &#8220;Hit&#8221; ausf\u00fchrt. Es entbehrt nicht der Komik, wenn die Anf\u00e4ngerin auf der heimischen Werkbank einen Schalld\u00e4mpfer zu basteln versucht oder erst einmal eine Unterbringungsm\u00f6glichkeit f\u00fcr ihren kleinen Sohn finden muss, ehe sie zur Straftat schreiten kann. Eine in ruppigem Investigativlook gefilmte bittere Satire, die auf Hartz IV ff. nicht mit tr\u00fcber Elendsbebilderung reagiert, sondern gewitzt die kriminogene Wirkung staatlicherseits aufgerissener Versorgungsl\u00fccken aufzeigt.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8221;Nasse Sachen\u201c (\u043c\u043e\u043a\u0440\u043e\u0435 \u0434\u0435\u043b\u043e) ist ein Euphemismus f\u00fcr einen Auftragsmord. 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